SEO und Storytelling für Nachwuchsjournalisten

Wochenendseminar der UNICUM Stiftung: Innovativer Journalismus mit Phil Wennker und Marc Heywinkel

Vom 16.-18. Januar 2015 fand im Rahmen der journalistischen Nachwuchsförderung das erste Wochenendeseminar der UNICUM Stiftung statt. Unser Thema: Wie man mit SEO, kreativem Storytelling, Google Analytics und Co. innovativen Journalismus macht. Unser Tagungsort: Die Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach. Die gut 50 Seminarplätze waren innerhalb kürzester Zeit vergeben, die Teilnehmer kamen aus ganz Deutschland.

Dass Innovationen der beste Weg aus einer Krise sein können, ist bekannt. Der krisengeschüttelte Journalismus tut insofern gut daran, allmählich am Innovationsrad zu drehen. Wie man als Nachwuchstalent den State of the Art des Online-Journalismus für eigene Projekte nutzt, vermittelten wir mehr als 50 angehenden Medienmachern. Neben der gesamten UNICUM Redaktion führten als externe Referenten Phil Wennker (Inhaber der Agentur SEO Heads und Dozent an der Westdeutschen Akademie für Kommunikation) und Marc Heywinkel (Redaktionsleiter des journalistischen Think-Tanks Vocer) durch das Wochende.

SEO und Web Analytics: Pflichtprogramm für guten Online Content

Wer als Journalist/in Online Content produziert, kann sich dem Diktat der Suchmaschinen nicht entziehen, sofern er oder sie denn Leser erreichen möchte; exzellente Beiträge, die die SEO-Spielregeln außer acht lassen, bleiben mitunter unsichtbar. Phil Wennker führte folglich in die Geheiminsse der Suchmaschinenoptimierung ein. Lektion 1: Kein Geheimnis, sondern ein hartnäckiger Mythos ist der scheinbare Ranking-Faktor „Keyworddichte“. Worauf es tatsächlich ankommt? Der Experte entfaltete kleinschrittig das derzeitige SEO-Einmaleins für einen reichweitenstarken journalistischen Beitrag, von der zielgruppengerechten Keyword-Rechreche über die inhaltliche und strukturelle Gestaltung hin zu den Meta-Informationen.

Auch eine professionelle Erfolgsanalyse der eigenen Arbeit lohnt. Warum beim eigenen Blog nicht einfach nachbessern, wenn die Performance hakt? Das Netz bietet Analytic-Tools, die unter anderem Besucherströme auf eine Website erfassen, das Klickverhalten der User aufschlüsseln, Trafficquellen identifizieren. Damit legen sie Schwächen im Seitengerüst offen, entlarven unattraktive Beiträge durch entprechend hohe Absprungraten – das kann den eitlen Schreiber treffen, ist aber effektiv. Phil Wennker vermittelte den Teilnehmern breit gefächertes Know-how, um künftig nichts mehr dem Zufall zu überlassen.

Storytelling mit Buzzfeed, Storify und Co.

Die junge Journalisten-Garde wagt seit einigen Jahren den Blick über den Tellerrand etablierter Regeln: Neue Plattformen werden erschlossen, kreative Darstellungsformate des Storytelling kommen zum Einsatz. Die Innovationen im Großen und Kleinen eint der Ansatz, Leser über digitale Kanäle in die eigene Arbeit einzubeziehen – mit Erfolg. Marc Heywinkel steht mit seinem Think-Tank Vocer für innovative Pfade im Online-Journalismus, 2014 wurde er vom Medium Magazin unter die „Top 30 bis 30“-Journalisten des Jahres gewählt. In Gummersbach gab er seine Erfahrungen weiter: Welche Dienste und Tools versprechen einen erfolgreichen Autor-Leser-Dialog? Wie bewegt man sich als Journalist in den Social Media? Was bedeutet der Gestaltwandel des Journalismus für den Erwartungshorizont, dem angehende Journalisten in den Redaktionen begegnen werden?

Die Teilnnehmer münzten das Erlernte sogleich in die Praxis um, produzierten multimediale Geschichten via Storehouse, schalteten auf Storify Liveticker, führten Google-Hangout-Interviews – das Resultat: Online-Journalismus in seiner lebendigsten Form:

Eine nüchterne Erkenntnis in puncto Social Media: Jeder muss für sich selbst entscheiden, inwieweit er die professionelle von der privaten Identität trennt und auf wie vielen Kanälen er präsent ist. Vernachlässigen, so der Experte, sollte man die sozialen Netzwerke nicht: Hier tummeln sich die Leser.

Berufliche Perspektiven im Fokus

Ausreichend Zeit bot das Wochendseminar für entspanntes Netzwerken und offene Gespräche. Beim Kaminabend wurden berufliche Biografien greifbar, diskutierte das Plenum kritisch, was es in der heutigen Zeit bedeutet, als junger Mensch in die Medien zu gehen. Die ideelle Bilanz eines arbeitsintensiven Wochenendes: Es lohnt sich, auf einen Journalismus zu setzen, der neue Wege einschlägt, und als Nachwuchstalent diesen Innovationsprozess aktiv mitzugestalten.