Erfolgsgeschichte Flüchtling

Ramans Erfolgsgeschichte: Integration dank Basketball

Von Syrien ins Siegerland

Wer Raman Omar  in superverständlichem Deutsch von der Stadt Siegen, seinem Basketball- Team, dem Job als Barkeeper und dem Wirtschaftsinformatik-Studium erzählen hört, würde nie auf die Idee kommen, dass der 23-Jährige erst seit zwei Jahren in Deutschland lebt und eine gefährliche Flucht aus Syrien hinter sich hat.

„Das war kacke!“ – Nein, diesen Ausdruck hat Raman Omar (23) wohl nicht im Deutschkurs an der Uni gelernt, sondern eher bei seinen Mannschaftskollegen beim TV Jahn Siegen. Das Basketball-Team war die erste Anlaufstelle für den syrischen Kurden, als er 2015 ins Sauerland kam.

„In Deutschland habe ich das Leben gesehen“,

sagt Raman über seine Motivation sich schnellstmöglich zu integrieren. Ein Mitspieler hat ihn auf die Idee gebracht, auch Wirtschaftsinformatik zu studieren. Auf einen Platz in seinem Wunschfach Zahnmedizin wollte er nämlich nicht warten – und vor allem wollte er auch nicht wieder direkt weg aus Siegen, wo er sich doch gerade erst eingelebt hatte.

Vier Stunden Deutschunterricht pro Tag

Da Raman wichtige Dokumente wie das Abitur-Zeugnis aus der Heimat Syrien mitgebracht hatte, konnte es an der Uni Siegen direkt losgehen, zuerst mit Deutsch-Unterricht. „Jeden Tag vier Stunden  – das war schon hart“, gibt der ehrgeizige Student zu, der vor allem mit der Aussprache zu kämpfen hat: „Ich möchte nach einem richtigen Deutschen klingen!“ Mit Erreichen des Levels B1 war die Schonfrist in seiner Mannschaft vorbei. Es gab keine englischen Übersetzungen mehr für ihn – auch wenn „Wie bitte?“ anfangs zu seiner Standardantwort wurde. Ein Job als Barkeeper förderte die Sprach-Skills zusätzlich.

Krieg war nicht der alleinige Grund für die Flucht

So locker-flockig, wie der 23-Jährige erzählt, könnte man meinen, es sei die Geschichte eines „normalen“ Austauschstudenten, der völlig freiwillig nach Deutschland kam. Doch tatsächlich musste Raman aus dem Heimatland Syrien fliehen – und zwar nicht nur wegen des dort herrschenden Krieges: „Mein Vater wurde bedroht, weil er Politiker in einer kurdischen Partei ist. Und meine Mutter war ebenfalls im Blick der Regierung, weil sie Menschen geholfen hat, die aus anderen Städten nach Aleppo geflüchtet sind.“

Gestrandet auf einer einsamen Insel

Zusammen mit seinen Eltern und den beiden Schwestern (heute 11 und 18 Jahre alt) lebte Raman zunächst ein Jahr lang im Irak, genauer gesagt in Erbil, der Hauptstadt der autonomen Region Kurdistan. Doch als der ISIS einfiel, musste die Familie zurück nach Syrien – um von dort aus in die Türkei zu gelangen, von wo aus ein Boot sie nach Griechenland bringen sollte. Obwohl der Vater genügend Geld für ein spezielles Boot aufbringen konnte, verlief die Überfahrt nicht reibungslos, die insgesamt sieben Passagiere strandeten auf einer kleinen, unbelebten Insel.

„Wir waren für zwölf Stunden bei Kälte auf dieser Insel und mussten zum Beispiel selbst Feuer machen“,

beschreibt Raman die gefährlichste Station seiner Flucht. Als er gerade mit dem Gedanken gespielt hat, zur Hauptinsel zu schwimmen, um Hilfe zu holen, kam die Polizei und brachte die Gruppe ans Festland. In Athen konnte die Familie dann ihr Gepäck entgegen nehmen, das Bekannte hinterher geschickt hatten. Ein Koffer pro Person für die wichtigsten persönlichen Gegenstände musste reichen.

„Hier habe ich alles, hier bleibe ich“

Über mehrere Stationen in Deutschland, unter anderem ein Camp in Dortmund, kamen die fünf nach Siegen – die Stadt in der sich Raman mittlerweile richtig wohlfühlt: „Hier habe ich alles: Meine Freundin, Bekannte, Basketball.“ Seine positiven Erfahrungen möchte Raman auch mit anderen teilen. Im Rahmen des Projekts „Geflüchtete helfen Geflüchteten“ an der Uni Siegen arbeitet er in der Studienberatung und zeigt anderen, wie die ersten Schritte an der Uni funktionieren. Er selbst ist gerade im zweiten Semester und hat sich noch nicht genau festgelegt, in welche Richtung ihn sein Studiengang einmal treibt. Doch eines steht sicher fest:

„Meine Zukunft ist in Deutschland!“