Lisa Roth vom Schulz von Thun-Institut für Kommunikation

Lisa Roth vom Schulz von Thun-Institut für Kommunikation im Interview

Achte darauf, dass deine Kommunikation stimmig ist

Lisa Roth ist Referentin der Geschäftsleitung und Nachwuchstrainerin im Schulz von Thun-Institut für Kommunikation. Zudem ist sie als freiberufliche Kommunikationstrainerin und Beraterin in Deutschland und der Schweiz tätig. Sie hat ihren Master of Arts in Erziehungswissenschaften gemacht. Seit 2013 arbeitet Lisa Roth eng an der Seite von Prof. Schulz von Thun und liefert die Modelle und Lehre „quasi von der Quelle“. Wir haben mit ihr über die Bedeutung von Kommunikation für junge Berufseinsteiger gesprochen und Best Practice-Tipps erfragt.

 

Portraitfoto Lisa Roth

 

Sie beschäftigen sich beruflich mit dem Thema Kommunikation. Was fasziniert Sie daran?

Kommunikation fasziniert mich, weil ohne Kommunikation zwischenmenschliche Beziehungen nicht möglich wären. Sobald wir Menschen in Kontakt treten, kommunizieren wir miteinander. Daraus entstehen unzählige Möglichkeiten eines guten Miteinanders. Jedoch entstehen genauso viele Möglichkeiten in Konflikte zu geraten oder sich gegenseitig zu kränken. Mit dem Gelingen der Kommunikation steht und fällt doch fast alles, sei es in unserem Privat- oder Berufsleben.

Warum ist Kommunikation aus Ihrer Sicht für junge Berufsanfänger immer noch einer der gefragtesten Soft Skills?

Die heutige Arbeitswelt ist geprägt durch permanenten Wandel und Veränderung. Abläufe und starre Hierarchien werden seltener. Dabei ist neben fachlicher Expertise meiner Meinung nach vor allem auch gelingende Kommunikation ein entscheidender Faktor für funktionierende Zusammenarbeit und beruflichen Erfolg. Schwierige und immer wieder neue Gesprächssituationen souverän zu meistern und in unterschiedlichen Teams kooperativ und produktiv zusammenarbeiten, gehört zum Alltag eines jeden Mitarbeiters und angehender Führungskraft. Somit ist die Fähigkeit, konstruktiv kommunizieren zu können nachwievor eine Schlüsselqualifikation für die berufliche Zusammenarbeit.

 

„Um dieser Dynamik zu entkommen, ist es wichtig und empfehlenswert, sich um konstruktive und deeskalierende Kommunikation zu bemühen.“

 

Betrachten wir klassische kommunikative Herausforderungen zum Auftakt des Berufslebens: Es droht ein Konflikt. Sei es mit einem schwierigen Kollegen oder Chef. Doch mit einem drohenden Konflikt steht in der Berufswelt womöglich einiges auf dem Spiel. Was würden Sie als Kommunikationsexpertin raten, um einem Konflikt aus dem Weg zu gehen?

Zunächst einmal ist es typisch für Konflikte, dass sich jeder der selbst als Opfer und den anderen als Täter erlebt. Man selbst hat im Konflikt in der Regel das Gefühl, der andere hat angefangen und man selbst wehrt sich nur. Die Krux ist jedoch: in einem Konflikt gibt es nicht den „einen Schuldigen“, der angefangen hat. Typisch für die Dynamik im Konflikt ist, dass eine Person das Verhalten einer anderen als Angriff bewertet, sich daraufhin innerlich angegriffen und bedroht fühlt und nach außen in die Abwehr und den Gegenangriff geht. Dieses Verhalten wird in der Regel vom anderen als Angriff erlebt, woraufhin sich diese Person innerlich angegriffen und bedroht fühlt und nach außen die Abwehr und den Gegenangriff startet. Der Beginn eines Teufelskreises. Eine typische Dynamik im Konflikt.

Um dieser Dynamik zu entkommen ist es wichtig und empfehlenswert, sich um konstruktive und deeskalierende Kommunikation zu bemühen, wie

  1.  aktiv Zuhören
  2. Verständnis zeigen
  3. eigene Interessen benennen und die der Gegenseite erfragen
  4. die subjektive Sichtweise deutlich machen
  5. Selbstkundgabe äußern
  6. Wünsche aussprechen, bevor sie zu Vorwürfen werden

 

„Feedback sagt nicht nur etwas über den Feedbackempfänger aus, sondern immer auch über den Feedbackgeber!“

 

Meine Probezeit endet und das erste große Feedbackgespräch mit der Geschäftsführung steht an. Wie wappne ich mich dafür?

Feedback empfangen will gelernt sein. Zunächst einmal hilfreich sich klar zu machen, dass das Feedback nicht nur etwas über den Feedbackempfänger aussagt, sondern immer auch über den Feedbackgeber! Wenn dem Vorgesetzten Verlässlichkeit nicht wichtig wäre, dann würde er dazu auch kein Feedback geben. Dementsprechend bekommen wir von verschiedenen Vorgesetzten auch verschiedenes Feedback.
Empfehlenswert für das Empfangen von Feedback ist:

Erstmal zuzuhören und aufzunehmen, was der Vorgesetzte einem zurückmelden möchte. Wenn etwas nicht verstanden wurde oder unklar ist, kann man ruhig nachfragen, allerdings sollte man sich nicht rechtfertigen oder verteidigen. Gerne kann man sich für das Feedback bedanken und es empfiehlt sich auch, es ernsthaft für sich zu prüfen und sacken zu lassen.

Um in diesen „Empfangsmodus“ zu gelangen, lohnt es sich, vor dem Gespräch zu überprüfen, ob wir eine geeignete „innere Mannschaftsaufstellung“ mit an Bord haben. Gut, wenn wir als Feedbacknehmer wachsam darauf achten, dass wir im besten Fall innerlich so aufgestellt sind, dass es uns gelingt dem Feedback neugierig, aufgeschlossen und selbstkritisch begegnen.

 

„Wenn Kommunikation nicht nur authentisch und sondern auch situativ angemessen ist, dann ist für ein konstruktives Miteinander viel gewonnen!“

 

Haben Sie eine Art Kommunikations-Top-Tipp, den Sie jungen Berufseinsteigern nahelegen möchten?

Achte darauf, dass deine Kommunikation stimmig ist!

Wenn Kommunikation nicht nur authentisch und sondern auch situativ angemessen ist, dann ist für ein konstruktives Miteinander viel gewonnen! Das bedeutet jedoch auch, dass wir uns von einstudierten Kommunikationstechniken verabschieden müssen. Es geht nämlich nicht nur darum, Regeln zu kennen und Techniken zu beherrschen. Sicherlich lohnt es sich in jedem Fall diese zu kennen und zu üben. Aber mindestens genauso wichtig ist, dass ich das was mich ausmacht, authentisch und zugleich situationsgerecht in den Kontakt einbringe.

 

Ihr wollt verlässliche Techniken für stimmige, gelingende Kommunikation im beruflichen Umfeld erlernen? Seid vom 03.-05. November 2017 beim Wochenendseminar Schlüsselkompetenz Kommunikation! Noch mehr in die Tiefe geht’s bei den Studierenden-Grundkursen des Schulz von Thun-Instituts für Kommunikation, die wir euch ebenfalls ans Herz legen.